Fremde Sprache

Ich befreunde mich mit dir,
du fremde Sprache,
spiele mit dir, kämpfe mit dir,
verfluche deine Syntax, in Suffixen verknäuelt,
suche deine Wörter, verliere sie wieder,
liebe deine Differenziertheit in Herzensdingen,
entdecke tausend Überraschungen in dir,
verzweifle an dir,
halte dich fest.

Ich tauche ein und lasse die Dichter
mächtig ihrer Verse
über mir zusammenschlagen,
mir den Atem nehmen,
selbst in dem Kleinen,
das ich von ihrem Großen verstehe.

Benim şiirlerim çay kolar.
Düşlerimde sade sen.
Demlikte nefesın
Bardakta gamzen.
Ach, Cemal Süraya, ich flattere,
gefangen in deinem zarten Netz.

Karlı dağlardan mı aştın
Derin ırmaklar mı geçtin
Yârinden ayrı mı düştün
Niçin ağlarsın bülbül hey
Ach, Yunus Emre, wie deine Nachtigall
suche ich den verlorenen Gefährten,
auf dem Dachfirst singt die Amsel  „bülbül hey“.

Yârım, mein Gefährte
wir sitzen am Wasser
Istanbul ein Traum
Uzaklarda, çok uzaklarda,
Sucuların hiç durmıyan çıngırakları;
İnstanbul’u dinliyorum, gözlerim kapalı
Ach, Orhan Veli, Gasbomben
und osmanisches Geschrei
rauben heute jeden Traum.

Du spröde, schöne Sprache
Ich verzweifle an dir,
und halte dich fest.
Ach, bleibt eine Spur?

10.07.2014